Kaminabend mit Michael
21.03.2024: „Machen wir noch Work-Life-Balance oder sind wir schon bei Life-Work-Balance?“
Ergebnisse des 4. Kaminabends zur Balance zwischen Arbeit und Belastung
Ganz allgemein in unserer gesamten Gesellschaft, m.E. sogar besonders ausgeprägt im Bereich Schule, lässt sich eine Tendenz beobachten, dass Arbeit als belastend, gar krankmachend wahrgenommen wird. Zur gefühlten Wahrheit lassen sich naturgemäß keine Daten finden, aber bei den Auswirkungen des Belastungsgefühls werden wir fündig.
Pädagog*innen und Lehrer*innen arbeiten im bundesweiten Durchschnitt zu 43% in Teilzeit! Alle anderen Arbeitnehmer nur zu 30%.
Seit Beginn des 20. Jhd. nimmt die Quote der psychisch kranken jungen Menschen immer weiter zu.
Die Forschung erkennt hierbei keine Zusammenhänge mit Faktoren wie Krieg, Krisen, nicht einmal zu persönlichem Leid usw. sondern führt diese psychischen Phänomene vielmehr auf gesellschaftliche Entwicklungen zurück: immer weniger Fokus auf die wirklich wichtigen „Starkmacher“ wie gesunde soziale Beziehungen, Selbstwahrnehmung als „kompetent sein“, Bewusstsein der eigenen Wirksamkeit uvm., sondern zunehmender Fokus auf Materialismus und Äußerlichkeiten, schwindender Wille, Widrigkeiten mit Kraft zu begegnen usw. sind vermutlich die eigentlichen Auslöser dieses kollektiven Gefühls der Überlastung, damit zusammenhängend auch der Entfremdung gegenüber größeren Teilen der Gesellschaft.
Was hilft?
Studien belegen immer wieder, dass Naturerlebnisse und Sportlichkeit den größten positiven Einfluss auf Belastungsgefühle und pathologische Verhaltensmuster haben.
In der Schule sollte man eine lebendige Gemeinschaft schaffen und als Erwachsene vorleben, dass man Resilienz aufbaut, wenn man sich Herausforderungen stellt; Empathiefähigkeit sollte vorgelebt und gefördert werden.
Die Kinder/Jugendlichen kann man in schwierigen Situationen zur Reflexion auffordern. Dabei lernen sie ggf., ihre Prioritäten neu zu setzen.
Ganz allgemein sollten wir den Kindern vorleben, dass Ambivalenzen und Probleme zum Leben gehören, und dass man an diesen wachsen kann.
Wo steht dabei das Thema Achtsamkeit?
Konzentrations- und Sinnesübungen mit Kindern können vorteilhaft sein, darüber hinausgehende regelmäßige Achtsamkeitsarbeit hingegen kann schnell eine Intensität anderer Therapieformen erreichen und hat in Schulkonzepten nichts zu suchen. Zudem sollten solche Übungen immer als soziales Erlebnis und nicht als „Eintauchen ins Selbst“ vermittelt werden.
Ich-Bezogenheit und das Gefühl, mit dem eigenen Leben allein zu sein, sind nämlich die Hauptgründe für Belastungsgefühle.
Quellen und Literatur:
Statistisches Bundesamt (Destatis) 2024
Storm, A. (Hrsg.): Kinder- und Jugendreport 2019 – Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung (Band 31)
Twenge, Jean M., et. al: Birth cohort increases in psychopathology among young Americans, 1938–2007: A cross-temporal meta-analysis of the MMPI
Gebhard, U.: Naturerfahrung und seelische Gesundheit bei Kindern – theoretische Ansätze und ausgewählte empirische Befunde ( https://doi.org/10.1007/s00103-023-03729-w)
Ma, S. et.al.: Effects of physical fitness on mental health of Chinese college students: across-sectional study
Linder, J.: Observations on the Relationship between Resilience and MindfulnessBritton, W.B.: Defining and Measuring Meditation-Related Adverse Effects in Mindfulness-Based Programs
Linder, J.: https://www.psychologytoday.com/us/blog/mindfulness-insights/202309/embracing-lifes-hardest-moments-as-learning-opportunities
